21. SONNTAG im Jahreskreis

Erste Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Christen in Rom (11,33-36)

Evangelium nach Matthäus (16,13-19)

 

Ein christlich denkender Schriftsteller sagte: „Die Kernaussage des Christentums, dass Gott in Jesus von Nazareth selbst Mensch geworden sei und durch Christi Kreuzestod und Auferstehung alle Menschen errettet habe, verstehe ich nicht wirklich.“ Das ist eine ganz ehrliche Aussage. Trifft das nicht auch für uns zu? Wie verstehen wir diese „Glaubensaussage“?

Es wird heutzutage oft gesagt: „Die eigentliche Kirchenkrise ist das Verständnis der Botschaft des Glaubens, die Übermittelung („Verkündigung“) durch die Kirche, in einer „Abgehobene Sprache“.

„Für wen haltet ihr mich?“, fragt Jesus. Wer bin ich für euch? Es genügt nicht einfach die biblische Formulierung zu zitieren: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“ Im gesamten neuen Testament finden sich rund 157 verschiedene Namen, Titel und Bezeichnungen für Jesus. Das ist die Sprache von damals, die für uns teils unverständlich ist und die wir in unsere heutige Sprache übersetzen müssen. Es geht ja um unser Verständnis von Jesus, wie wir ihn sehen, welche Bedeutung er für unser persönliches Leben hat, welche Rolle er hier spielt.

Zu einer persönlichen Antwort sind wir nur fähig, wenn wir uns immer wieder auseinandersetzen mit dem, was Jesus alles gesagt, getan, gelehrt hat und wenn wir versuchen es uns anzueignen, danach zu leben. Dann entdecken wir immer mehr, wie unser Leben sich dadurch ändert, mehr Tiefgang gewinnt, mehr Inhalt bekommt, ja schöner und beglückender wird.

Welche Bedeutung hat Jesus für mich? Vielleicht kann ich sagen: „Du bist die Mitte meines Denkens. Du bist mir so wichtig, dass ich mich an dir orientieren will, deine Lebensweise übernehmen will. Durch dich kann ich in dieser Welt wahrhaft menschlich leben, handeln, leiden und sterben: Denn so erfahre ich immer wieder, dass Gott in meinem Leben wirksam ist, mich stärkt, mich zuversichtlich macht.

Jesus wurde glaubwürdig, weil er in einer außergewöhnlich intensiven Beziehung zu Gott lebte. Deswegen können wir auch sagen: In Jesus kam Gott uns entgegen, hat Gott sich selbst mitgeteilt, sich uns als ein uns liebender Gott zugewandt. Ich glaube an Gott, wie er uns durch diesen Jesus anspricht. Jesus ist für uns also der Weg zu Gott. Durch ihn erfahren wir die Wahrheit über Gott. Durch ihn können wir über Gott so denken und sprechen, wie Paulus es, in seinem Brief an die Römer macht, wie wir in der heutigen ersten Lesung gehört haben: Voller Erstaunen überwältigt durch die Größe und Erhabenheit Gottes. So finden wir zu einem echten, zu einem gelungenen Leben. In und durch Jesus befreit Gott uns aus dem Gefühl der Verloren- und Sinnlosigkeit. In diesem Sinne ist Jesus dann auch unser „Retter“.

Deswegen glaube ich an Jesus Christus, bin ich Christ. Ich halte mich an ihn, an seine Vorstellungen von Gott und vom Menschsein. So habe ich eine Orientierung im Leben, habe ich Hoffnung. Mit Jesus hat mein Leben eine Zukunft, die sogar über den Tod hinausgeht.

„Wer bin ich für dich? Was bedeute ich dir?“, fragt Jesus. Wenn ich Jesus immer besser kennenlerne - und das ist ein lebenslanger Prozess -, wenn ich immer mehr mit ihm vertraut werde, dann kann ich aus tiefster Überzeugung sagen: Jesus, du bist mir so wichtig, dass ich mir ein Leben ohne dich nicht mehr vorstellen kann, ja dass ich mir ohne dich wie verloren vorkommen würde. Ich glaube an dich und an das, was du uns über Gott vermittelt hast.

Christlich glauben heißt nicht an erster Stelle festhalten an einer Lehre („Glaubenswahrheiten“), sondern es heißt in einer Vertrauensbeziehung zu Jesus und dadurch zu Gott leben.

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